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Dipl.-Ing. Jens Pfeiffer
Technische Universität München
Betreuer: Prof. Dr.-Ing. habil. Boris Lohmann
Zusammenfassung der Diplomarbeit
Der Luftpfad gängiger moderner Dieselmotoren ist zur Leistungs- und Wirkungsgradsteigerung mit
einem Abgasturbolader mit variabler Turbinengeometrie und zur Reduzierung von Stickoxidemissionen
mit einer Abgasrückführung ausgestattet. Um ein gutes Ansprechverhalten des Motors
und einen niedrigen Partikel- und Stickoxidausstoß sicherzustellen, müssen die Regelgrößen Ladedruck
und Frischluftmassenstrom schnell und exakt eingestellt werden. Dabei stellt die nichtlineare,
verkoppelte Streckencharakteristik eine besondere Herausforderung dar. In herkömmlichen Regelstrategien
für den Luftpfad kommen aufwändig über Kennfelder parametrierte PI-Eingrößenregler
zum Einsatz, die im transienten Motorbetrieb eine teilweise unzureichende Regelgüte aufweisen und
somit erhöhte Emissionen verursachen.
Das Ziel der Arbeit war es, zur Verbesserung der genannten Probleme eine Mehrgrößenregelung im
Zustandsraum zu entwickeln. Dazu wurden zwei neuartige Regelungsansätze untersucht. Der erste
Ansatz stellt eine Gain-Scheduling-Mehrgrößenregelung dar, bei der ein linearer PI-Zustandsregler
zur Berücksichtigung des nichtlinearen Verhaltens während der Laufzeit ständig neu ausgelegt wird.
Der Regler wird zur Verbesserung des Führungsverhaltens von einer Vorsteuerung unterstützt, die
auf einem Ein-/Ausgangslinearisierten Streckenmodell basiert.
Aus dem für die modellbasierte Vorsteuerung verwendeten Ansatz ergab sich die Idee für eine
Ein-/Ausgangslinearisierende Regelstrategie. Durch eine nichtlineare Zustandsrückführung und ein
nichtlineares Vorfilter werden dabei die Nichtlinearitäten der Strecke kompensiert und entkoppeltes
Ein-/Ausgangsverhalten erreicht. Zur Vermeidung einer instabilen Nulldynamik erfolgt die exakte
Ein-/Ausgangslinearisierung dabei bezüglich der Ersatz-Ausgangsgrößen Abgasgegendruck und
Frischluftmassenstrom. Dies erfordert eine Umrechnung des Ladedruck-Sollwerts auf den Abgasgegendruck-
Sollwert, der zur Erzielung stationärer Genauigkeit des Ladedrucks mittels eines überlagerten,
langsam eingestellten I-Reglers korrigiert wird.
An einem detaillierten Motorprozessmodell durchgeführte Simulationen zeigen, dass sich durch den
Einsatz moderner, nichtlinearer Regelstrategien beim Luftpfad eine hohe Regelgüte und eine Reihe
weiterer Vorteile erzielen lassen. Insbesondere der Ein-/Ausgangslinearisierende Regler weist ein
sehr gutes Führungsverhalten bei gleichzeitiger Entkoppelung des Frischluftmassenstroms auf. Es
ist zu erwarten, dass er im transienten Motorbetrieb den Sollwertverlauf exakter als herkömmliche
Regelstrategien einregeln und so zu einer deutlichen Verringerung der Stickoxidemissionen beitragen
wird. Zudem kann die Reglerparametrierung aufgrund des modellbasierten Ansatzes
transparenter und weitgehend ohne aufwändig zu vermessene Kennfelder durchgeführt werden. Da
das Ein-/Ausgangslinearisierende Regelgesetz nur geringe Rechenkapazitäten benötigt, lässt es sich
außerdem leicht in industriellen Steuergeräten implementieren.
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