|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Dr.-Ing. Jan Effertz
Technische Universität Braunschweig
Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Walter Schumacher
Eine vollständig automatische Fahrzeugführung im allgemeinen Straßenverkehr fasziniert Techniker
wie Nichttechniker bereits seit der Frühphase des Automobils. Ein Stück näher an die Realität wurde
diese Vision durch die DARPA Urban Challenge im November 2007 gebracht. Im Rahmen dieses
Wettbewerbes stellten sich verschiedene fahrerlose Fahrzeuge den Anforderungen eines
innerstädtischen Verkehrsszenarios.
Die Entwicklung der Fahrzeugplattform Caroline für die Teilnahme an der DARPA Urban Challenge
bildet den Rahmen für diese Dissertation. Die Systemarchitektur zur Bewältigung der komplexen
Fahraufgabe wird in vier elementare Funktionsebenen zur Wahrnehmung, Situationsinterpretation,
Aktionsplanung und Aktionsausführung untergliedert. Um ein Verständnis für die Funktionsweise des
Gesamtfahrzeugs zu ermöglichen, wird insbesondere auf die enge Verzahnung der Komponenten
eingegangen.
Eine Schlüsselrolle in der Fahrzeugarchitektur nimmt die maschinelle Wahrnehmung der
Fahrzeugumgebung ein. Aufbauend auf den theoretischen Grundlagen der bayes’schen
Informationsverarbeitung wird ein hybrides Umfeldmodell entwickelt, indem sowohl herkömmlichobjektbasierte
als auch kartenbasierte Modellierungsverfahren zum Einsatz kommen. Die Ansätze
werden erweitert für eine Funktion im innerstädtischen Umfeld. Hierbei wird ein Freiform-Objektmodell
zur Hinderniserkennung sowie eine kartenbasierte Fahrbereichsanalyse eingeführt, im Rahmen der
Situationsinterpretation erfolgt eine Kopplung dieser Online-Umfelddaten mit zusätzlich
bereitgestellten, digitalen Navigationsdaten. Das Freiform-Objektmodell ermöglicht die Beschreibung
beliebiger Hinderniskonturen und unterscheidet sich somit von klassischen, quaderbasierten
Objekthypothesen aus dem Bereich der Fahrerassistenzsysteme. Die Grundmodellierungsidee beruht
darauf, dass die Form des Objektes sich wenig ändert und sich das Objekt nur insgesamt bewegt.
Damit steigt zwar die Anzahl der Freiheitsgrade auf drei, weil eine Drehung berücksichtigt werden
muss; der Aufwand bleibt aber begrenzt. Zur Hindernisdetektion werden verschiedene Radar- und
LIDAR-Sensoren zum Einsatz gebracht.
Die Fahrbereichsanalyse ermittelt den urbanen Straßenverlauf auf Basis eines Höhen- und Farbprofils
der Fahrbahn, erfasst durch zwei Laserscanner und eine Mono-Farbkamera. Die Messdaten werden
im Rahmen einer Dempster-Shafer Datenfusion einer probabilistischen Gridkarte zugeführt. Die
Detektion des Straßenverlaufs erfolgt unabhängig von optischen Fahrspurmarkierungen, da deren
ausreichende Verfügbarkeit im realen Stadtverkehr nicht vorausgesetzt werden kann. Die Arbeit
schließt mit einer Erörterung der Leistungsfähigkeit der Wahrnehmungsmodule sowie des realisierten
Gesamtfahrzeugsystems. Dieses konnte nach erfolgreicher Qualifizierung für das Wettbewerbsfinale
als eines der 10 besten Fahrzeuge aus dem international besetzten Teilnehmerfeld hervorgehen.
< zurück
|
 |
 |
 |
 |
|