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Dr. Gerd Baumann
Zusammenfassung
Gegenstand der Arbeit ist die Entwicklung und Anwendung einer neuen Verfahrensweise zur automatischen Erzeugung von
Simulationsprogrammen für Echtzeitanwendungen in der Fahrzeugtechnik. Dabei wird insbesondere die Darstellung elektronischer
Steuerungen mit CAN-Vernetzung und die Abbildung von Wechselwirkungen zwischen elektronischen und mechanischen Teilsystemen
sowie zwischen Fahrzeug, Fahrer und Umgebung in der Simulation betrachtet. Die Implementierung der Simulationsmodelle erfolgt
unter Verwendung kommerziell verfügbarer, graphischer Software-Werkzeuge.
Die erarbeitete Methode wird bei der Entwicklung von Kfz-Steuergeräte-Software in den Bereichen Antrieb, Fahrdynamik und
Fahrerassistenz eingesetzt und ermöglicht die einheitliche, effiziente Realisierung wichtiger Simulationsanwendungen wie
Rapid Prototyping, Hardware-in-the-Loop und Fahrsimulatoren.
Eine wesentliche Neuerung der Arbeit aus wissenschaftlicher Sicht stellt die hergeleitete Methode zur einheitlichen
Beschreibung des Zusammenwirkens von mechanischen Komponenten wie Motor, Getriebe oder Fahrwerk untereinander als auch mit
elektronischen Steuergeräten, Sensoren und Aktuatoren dar. Diese weisen in modernen Kraftfahrzeugen ebenfalls umfangreiche
Wechselwirkungen auf, insbesondere über das Daten- und Energiebordnetz. Durch zusätzliche Einbeziehung des Fahrers und der
Fahrzeugumgebung ergibt sich eine domänenübergreifende Systematik zur Strukturierung und Implementierung von
Simulationsmodellen des Kraftfahrzeugs, die aus der wissenschaftlichen Literatur bisher nicht bekannt war.
Die praktische Anwendbarkeit des hergeleiteten Verfahrens wird anhand mehrerer Echtzeit-Simulationsanlagen dargestellt, die
in enger Zusammenarbeit mit Anwendern aus der Automobilindustrie realisiert wurden. Unter anderem wird ein Fahrsimulator zur
Ausbildung von LKW-Fahrern im sicheren und kraftstoffsparenden Umgang mit der elektronischen Antriebs- und Bremsensteuerung
eines schweren Nutzfahrzeugs vorgestellt. In diese Anlage wurde die reale, CAN-vernetzte Serien-Elektronik integriert, die
mit einer Simulation des Antriebs, der Fahrzeugdynamik und der Fahrzeugumgebung gekoppelt ist. Dieses Konzept, das ein absolut
realistisches Verhalten des Simulators in allen denkbaren Fahrsituationen gewährleistet, wurde bisher nicht beschrieben und
stellt eine wichtige Innovation auf dem Gebiet der Fahrsimulatoren dar. Der verstärkte Einsatz solcher Ausbildungs-Simulatoren
kann zukünftig wichtige Beiträge zur Reduktion des Energieverbrauchs und der Erhöhung der Sicherheit leisten.
Als Ergebnis der Arbeit steht für die Entwicklung von elektronisch gesteuerten Fahrzeugsystemen ein theoretisch fundiertes
Verfahren zur systematischen Realisierung von komplexen Simulationsanlagen zur Verfügung, dessen produktiver Nutzen in
industriellen Anwendungen nachgewiesen wurde.
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