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Dr.-Ing. Ulf Lezius
Universität Rostock
Betreuer: Prof. Dr. rer. nat. Dr.-Ing. Dr. h.c. Bernhard Lampe
Zusammenfassung der Dissertation
Steigende Kraftstoffpreise und die öffentliche Diskussion um den Kohlendioxidausstoß von
Kraftfahrzeugen setzen die Automobilindustrie dem Druck aus, immer effizientere Motoren zu
entwickeln. Die Tendenzen in der Weiterentwicklung moderner Ottomotoren (höhere Verdichtung,
Aufladung) lassen vermuten, dass zukünftige Motoren dem Phänomen der klopfenden Verbrennung
noch stärker ausgesetzt sein werden als heutige.
Das Ziel der hier vorgestellten Arbeit war es, eine neuartige Klopfregelung zu entwickeln, die den
Zündzeitpunkt eines Ottomotors möglichst dicht an der Klopfgrenze betreibt. Dadurch soll
vergleichsweise mehr Drehmoment bei gleichem Kraftstoffeinsatz erzeugt werden, ohne dass dabei
die Klopfhäufigkeit gesteigert wird. So kann im praxisrelevanten Volllastbereich des Ottomotors eine
Wirkungsgradsteigerung erreicht werden.
Aufbauend auf einer Analyse bekannter Verfahren zur Klopfregelung wurde ein neuartiges Konzept für
einen Klopfregler entwickelt. Dabei werden Zylinderdruckinformationen genutzt, um den aktuellen
Abstand zur Klopfgrenze zu ermitteln. Dies ermöglicht die Einregelung eines Arbeitspunktes sehr dicht
an der Klopfgrenze.
Zwei verschiedene Ansätze zur Bestimmung des Abstandes zur Klopfgrenze wurden auf ihre
Anwendbarkeit hin untersucht. Die erste Möglichkeit besteht darin, den Zylinderdruck mit Hilfe
reaktionskinetischer Methoden zu analysieren. Als Alternative dazu wurden einfache Merkmale des
Zylinderdrucksignals betrachtet.
Auf der Basis des gemessenen Zylinderdruckverlaufs wurden abstandsbasierte Klopfregelungen
entwickelt. Die erreichten Drehmoment- und Wirkungsgradsteigerungen wurden sowohl an Hand von
Simulationen als auch mit Hilfe von Tests an einem Motorprüfstand nachgewiesen.
Heutige Serienmotoren werden nicht mit Zylinderdrucksensoren ausgerüstet. Es ist also notwendig,
andere Signalquellen für die Klopfregelung zu nutzen. In der vorliegenden Arbeit werden neuronale
Netze benutzt, um das Zylinderdruckmaximum aus dem gemessenen Verlauf der Motordrehzahl zu
ermitteln. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass sich so in einem großen Betriebsbereich des
Motors Zylinderdruckinformationen rekonstruieren lassen. Dieses Ergebnis ist für die Realisierbarkeit
von abstandsbasierten Klopfregelungen in Serienfahrzeugen besonders wichtig.
Während der Bearbeitung der Themenstellung wurden verschiedene Hard- und Softwareumgebungen
zur Durchführung der Experimente benötigt. Spezielle Anforderungen machten Eigenentwicklungen
nötig. So wurde ein System zur flexiblen und automatisierten Messdatenerfassung entwickelt. Für die
Durchführung der Reglertests wurde ein universelles Bypass-System mit der Fähigkeit zur Echtzeit-
Auswertung gemessener Zylinderdruckverläufe realisiert. Verschiedene Verfahren zur digitalen
Signalverarbeitung sowie zur thermodynamischen Analyse der Zylinderdruckverläufe wurden
implementiert.
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