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Dr.-Ing. Rocco Deutschmann
Technische Universität Dresden
Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Hans-Christian Reuss
Zusammenfassung der Dissertation
Die Automobilindustrie steht vor dem Problem, auch in Zukunft die Software-Qualität der Steuergeräte
trotz stetig steigender Komplexität mit vertretbarem Aufwand zu gewährleisten. Dazu müssen Automatisierungsgrad
und Tiefe der Tests dieser eingebetteten Systeme gesteigert werden. Ergebnis der
Arbeit ist ein neuer, ganzheitlicher Ansatz für die Automatisierung von Testgenerierung, Testdurchführung
und Testanalyse. Kern des Ansatzes ist die Weiterentwicklung semiformaler Methoden für diese
drei Phasen des Testens. Dabei werden die Vorteile der formalen Verifikation mit den Vorteilen des
Testens verbunden, um die Software-Qualität sicherzustellen. Schwerpunkte der Arbeit sind:
1) Entwicklung eines universellen Softwarewerkzeugs für die automatische Testausführung
Das Werkzeug dient der Ausführung generischer Testbeschreibungen sowie der Bewertung und Protokollierung
der Testergebnisse. Seine Entwicklung war Voraussetzung für die Untersuchungen zur
Automatisierung der Testgenerierung und Testanalyse. Darüber hinaus belegen der mehrjährige Einsatz
als Standardwerkzeug ("ECU-TEST") bei der BMW AG und die Nutzung durch viele andere Unternehmen
(u. a. MAGNA, IAV) seinen praktischen Nutzen bei der Steigerung des Testautomatisierungsgrades.
2) Automatische Testfallgenerierung aus formalen Anforderungsspezifikationen
Das entwickelte Verfahren gestattet die automatische Erzeugung ausführbarer Testfälle aus Anforderungsmodellen
unter Vorgabe von Testzielen. Dazu müssen die Anforderungen formal mit zeitgesteuerten,
endlichen Automaten und die Testziele in einer speziellen temporalen Logik beschrieben sein.
Es werden Modellprüfungsalgorithmen genutzt, um aus symbolischen Diagnosespuren im Modell die
Testfälle automatisch zu erzeugen. Das Verfahren wurde auf Basis von ECU-TEST und des Modellprüfungswerkzeugs
UPPAAL umgesetzt.
3) Automatische Analyse und Bewertung von Testdaten
Während SiL-Simulationen, HiL-Tests oder auch bei Fahrzeugversuchen werden Signalverläufe aufgezeichnet,
die die Systemreaktionen des zu testenden Systems repräsentieren. Es wurde ein Verfahren
entwickelt, das den vollautomatisierten Vergleich der aufgezeichneten Signalverläufe mit der erwarteten
Systemreaktion bewerkstelligt. Das Verfahren bedient sich einer temporalen Logik, um quantitative
Zeitaussagen zu formulieren und anhand der Messung zu verifizieren. Da die LTL (Lineare
Temporale Logik) der Formulierung von Echtzeitbedingungen nicht genügt, musste sie syntaktisch
und semantisch zur RTLTL (Real Time Linear Temporal Logic) erweitert werden. Untersuchungen
ergaben, dass das Verfahren sehr effizient und skalierbar ist.
Das entstandene Testautomatisierungswerkzeug ECU-TEST und die entwickelten Methoden waren
die Initialzündung für die TU Dresden-Ausgründung TraceTronic GmbH (www.tracetronic.de), die sich
inzwischen zu einem stark wachsendem Unternehmen mit über 20 Mitarbeitern entwickelt hat. Basierend
auf Erkenntnissen dieser Arbeit wurde das BMBF-Verbundforschungsprojekt: "Erweiterte Traceanalyse
in Test und Diagnose" initiiert.
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