|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Dipl.-Ing. Alexandra Schulz
Technische Universität Berlin
Betreuer: Prof. Dr. rer. nat. Volker Schindler
Zusammenfassung der Diplomarbeit
Zahlreiche Forschungsvorhaben beschäftigen sich bereits seit vielen Jahren mit der Entwicklung von
Assistenzsystemen zur Steigerung der aktiven Sicherheit und der damit verbundenen Erwartung,
Unfallzahlen zu reduzieren und Unfallfolgen zu mindern. Hierbei wird unter anderem beim Einsatz
eines intelligenten Bremsassistenten ein hohes Schutzpotential erwartet. Neben den Aspekten der
aktiven Sicherheit wird dabei auch die Kundenakzeptanz einen bedeutenden Anteil an der
Marktdurchdringung dieser Systeme haben. In Bezug auf den Bremsassistenten sind hierbei
insbesondere die Eingriffsschwellen für Warnung und automatische Teilbremsung von Bedeutung,
denn die bisherigen Auslegungen werden den interindividuellen Eigenschaften und Bedürfnissen der
Fahrer nicht gerecht: eine Strategie, die auf Grundlage statistischer Mittelwerte von z.B. Reaktionszeit
oder erwarteter Verzögerung arbeitet, verschenkt bei langsamen oder abgelenkten Fahrern durch zu
späten Eingriff Potential und gefährdet bei sportlichen Fahrern die Akzeptanz durch verfrühte
Warnung.
Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit Assistenzsysteme fahreradaptiv zu gestalten, wobei zahlreiche
Aspekte wie z.B. Alter, Fahrerfahrung, Persönlichkeit, Grund der Fahrzeugnutzung oder Risikobereitschaft
zu einer großen Breite an Vorstellungen führen, wann und wie ein System eingreifen
sollte. Durch Korrelation von Fahrer- und Fahrzeugdaten sowie Umfeldinformationen ist es möglich
eine adaptive Strategie zu entwerfen, die dem Fahrstil jedes einzelnen Fahrers gerecht wird: Dazu
wurden im Vorfeld derzeit auf dem Markt erhältliche Strategien zur Ableitung einer Warnung bzw.
eines Eingriffs untersucht und bezüglich Anwendungsbereich und Potential bewertet. Anschließend
wurden die Erkenntnisse der letzten Jahre zur Klassifizierung und Bestimmung verschiedener
Fahrertypen aus Fahrzeugdaten genutzt, um aus Versuchsdaten von Teil- und Vollbremsmanövern
(zur Verfügung gestellt von Continental) unterschiedliche Fahrstile zu identifizieren.
Mit den ermittelten fahrerspezifischen Größen war es möglich zum einen eine Onboard-
Fahrstilanalyse zu realisieren, die permanent während der Fahrt den Fahrer klassifizieren kann und
zum anderen einen adaptiven Warnalgorithmus zu gestalten, der die Reaktionszeit und individuelle
Verzögerungswerte berücksichtigt. Dieser informiert den Fahrer bei zu geringem Abstand während
einer Folgefahrt, auch wenn dieser dem Fahrerwunsch entsprechend vom System akzeptiert wird. In
kritischen Bremssituationen warnt der Assistent und leitet bei Ignorieren der Warnung eine
Teilbremsung ein. Die Anwendung beider Algorithmen sowohl auf simulierte Fahrten als auch auf die
Versuchsdaten zeigte, dass es sowohl bei Annäherung an ein Hindernis als auch bei einem Bremsmanöver
aus einer Folgefahrt deutliche Unterschiede bezüglich des Warnzeitpunkts und daraus
resultierend auch beim Beginn einer automatischen Teilbremsung gibt.
Bei allen untersuchten Fahrmanövern konnte durch die adaptive Gestaltung ein Nutzen, sowohl
bezüglich der Sicherheit (dies vor allem bei Folgefahrten) als auch in Hinblick auf eine höhere zu
erwartende Akzeptanz (beim Auffahren auf ein stehendes Hindernis) im Vergleich zu den
konventionellen Auslegungen festgestellt werden.
< zurück
|
 |
 |
 |
 |
|