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Dipl.-Ing. Frieder Neukamm
Universität Stuttgart
Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Klaus Drechsler
Zusammenfassung der Diplomarbeit
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der numerischen Modellierung von Materialschädigung
durch plastische Verformung am Beispiel hochfester Stahlbleche für den Karosseriebau.
Ein zunehmend wichtiges Thema für Automobilhersteller weltweit ist die Notwendigkeit, den
CO2-Ausstoß, und damit den Treibstoffverbrauch der Fahrzeuge zu reduzieren. Eine der
effektivsten Maßnahmen hierfür ist eine Reduzierung des Fahrzeuggewichts, besonders eine
Gewichtsreduktion der Karosserie.
Im Spannungsfeld zunehmender Anforderungen durch immer härter werdende Crashtests, müssen
großserientaugliche Lösungen gefunden werden, um steigende Anforderungen durch die passive
Sicherheit bei gleichzeitiger Reduktion des Rohbaugewichts zu erfüllen. Ein wichtiger Trend ist hierbei
die zunehmende Ersetzung von konventionellen Tiefziehstählen durch neuartige hochfeste Stähle.
Diese Stähle zeigen im Vergleich zu konventionellen Güten häufig eine verminderte Dehnbarkeit, was
im Falle eines Crashs zur Ausbildung von Rissen bis hin zum völligen Versagen von Baugruppen
führen kann. Um das Potential dieser modernen Werkstoffe ausnutzen zu können, ist es daher von
größter Wichtigkeit eine präzise Vorhersage des Versagens in der Crashsimulation sicherzustellen.
Die Erfahrung zeigt hier, dass es zunehmend komplexer kontinuumsmechanischer
Schädigungsformulierungen bedarf, um das Verhalten von hochfesten Stahlblechen unter
dynamischen Belastungen zu beschreiben. Ein wesentlicher Aspekt zur treffenden Vorhersage der
Versagensgrenzen ist dabei die Berücksichtigung des Anfangszustands der Bauteile. So wird der
größte Teil der verbauten Bleche zuvor im Tiefziehverfahren umgeformt, und erhält somit bereits
plastische Verformungen.
Der Ansatz der Arbeit ist die Entwicklung von kontinuumsmechanischen Schädigungsmodellen, die für
die bis jetzt völlig getrennten Disziplinen Umformsimulation und Crashsimulation gleichermaßen
eingesetzt werden können. So wird mit Hilfe der Umformsimulation die lokale Vorschädigung der
Bauteile ermittelt, und mit Mappingverfahren in die Crashsimulation übertragen. Diese
Vorgehensweise stellt einen neuen Ansatz für die Berücksichtigung der Prozesskette dar, da bis jetzt
höchstens die zuvor bei der Umformsimulation berechneten lokalen Größen der plastischen Dehnung
und der Dickenreduktion eines Blechteils in die Crashsimulation übernommen wurden. Durch die
Komplexität des Versagensverhaltens hochfester Stahlbleche reichen diese Informationen jedoch
nicht aus, weswegen als innovativer Ansatz die Verwendung eines Schädigungsmodells auch in der
Umformsimulation gewählt wurde. Beispielrechnungen an Bauteilen zeigen bereits vielversprechende
Ergebnisse. Durch die Implementierung der Schädigungsmodelle in die FE-Software LS-DYNA wird
eine Verwendung der Methode in der industriellen Praxis ermöglicht. So kann in Zukunft die
Verbindung der beiden Disziplinen Umform- und Crashsimulation zur weiteren Erhöhung der
Sicherheit bei reduziertem Gewicht beitragen.
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