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Dr.-Ing. Jörgen Hilmann
Technische Universität Berlin
Betreuer: Prof. Dr. rer. nat. Volker Schindler
Kraftfahrzeuge müssen unterschiedlichste Anforderungen in vielfältigen Disziplinen (auch
Fahrzeugattribute genannt) erfüllen. Beispiele dieser so genannten Fahrzeugattribute sind die
Fahrzeugsicherheit, Fahrdynamik, Karrosseriesteifigkeit, Akkustikeigenschaften, Fahrleistungen,
Innenraummaße, das Fahrzeuggewicht bzw. deren Kosten. Diese Attribute haben Anforderungen an
das Fahrzeug und resultieren häufig in Zielkonflikten untereinander (wie z.B. passive Sicherheit und
Fahrzeuggewicht).
Nur durch einen ausgewogenen Kompromiss der Attribute kann man große Kundengruppen vom
eigenen Produkt überzeugen (im Gegensatz zu Nischenfahrzeugen, wo oft bestimmte Attribute radikal
bevorzugt werden (auf Kosten anderer). Wachsende Erwartungen an Fahrzeugqualität, -
zuverlässigkeit und Verbrauch stehen massivem Kostendruck durch steigende Rohstoffpreise und
einem harten Wettbewerbsumfeld gegenüber.
Zwei mögliche Lösungsstrategien sind verkürzte Produktentwicklungszyklen, um schneller auf sich
ändernde Kundenwünsche reagieren zu können und immer intelligentere und ausgefeiltere
Fahrzeugstrukturen, die aber mehr Entwicklungsaufwand erfordern. Leider besteht auch zwischen
diesen beiden ein Zielkonflikt.
Die Dissertation behandelt einen Ansatz neueste (kommerzielle und freie) Programme und Rechner
zu einer funktionalen Einheit zu kombinieren, die es erlaubt automatisiert Karosseriestrukturen
systematisch zu optimieren. Dieser ”Structural Analyzer” wurde – wie die anderen Module – in PERL
programmiert. Der Structural Analyzer (siehe Bild 1) besteht aus den Modulen Modellaufbau (Model
Built), Berechnung (Simulation) und Auswertung (Evaluation). Unter Nutzug von
Optimierungsmethoden wie z.B. den Genetischen Algorithmen entsteht ein geschlossener
Optimierungsprozess (Closed Loop), d. h. Zwischenergebnisse haben Einfluss auf weitere
Funktionsaufrufe. In Kombination mit Statistischen Versuchsplänen oder Monte Carlo Simulationen
entsteht ein Open Loop Prozess, d. h. Zwischenergebnisse haben keinen Einfluss auf weitere
Funktionsaufrufe. Um diese Prozesse zu realisieren, werden im Modul Modellaufbau Designvariablen
eingeführt, die sowohl einfache Blechdicken- oder Materialänderungen ermöglichen, aber auch
komplexe Geometrieänderungen oder Bauteilalternativen steuern können, die während der
Optimierung ausgetauscht werden können. Dazu werden qualitativ hochwertige FEM-Netze und
Schweißpunkte basierend auf parametrischen Geometriemodellen erzeugt. Die besonderen
Möglichkeiten des CAD-Systems SFE Concept werden genutzt, das im Batch Modus in die
Prozesskette eingebettet ist.
Das Simulationsmodul ermöglicht die (auch gleichzeitige) Nutzung unterschiedlichster Hardware, von
einer Workstation bis hin zu Linux-Clustern mit über 1.000 CPUs. Die erzielten Ergebnisse für
typische Anwendungsfälle werden analysiert. Es wird ein ausgewogenes Bewertungssystem
vorgestellt, mit dem Designalternativen verglichen werden können. Mit Hilfe von Methoden des Data
Mining werden Abhängigkeiten in großen Datensätzen extrahiert, Ergebnisse gruppiert und die
wesentlichen Einflussgrößen identifiziert.
Diese Methoden werden an vier Anwendungsbeispielen vom ”Low Speed” Bereich, also langsamen
Aufprallgeschwindigkeiten (15 km/h), bis zu schweren Cashs mit 64 km/h erprobt. In diesen Beispielen
werden Gesamtfahrzeug- und Teilfahrzeugmodelle verwendet, letztere um die Rechenzeit zu
verringern. Wesentliche Teile dieser Arbeit werden bei einem großen Automobilhersteller inzwischen
produktiv für automatische Optimierungen und der interaktiven Suche nach besseren Strukturen
eingesetzt, um effektiver Karosseriestrukturen zu entwickeln.
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