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Dr.-Ing. Matthias Schorn
Technische Universität Darmstadt
Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Rolf Iserman
Zusammenfassung der Dissertation
Die Dissertation entstand im Rahmen des Kooperationsprojekts PRORETA – Elektronische
Fahrerassistenz für ein unfallvermeidendes Fahrzeug – zwischen der TU Darmstadt und Continental
Automotive Systems. Ziel des Projekts war die Entwicklung von Lösungsansätzen zur
Unfallvermeidung in komplexen Gefahrensituationen, in denen der Fahrer nicht schnell genug oder
gar nicht reagiert.
Nach Einleitung und Erörterung des Stands der Technik wird auf die Modellierung des Verhaltens von
Kraftfahrzeugen eingegangen. Mit dem Ziel ein genaues Simulationsmodell für Reglertests verwenden
zu können, wurde ein Zweispurmodell entworfen. Die Validierung anhand von Messfahrten wird
dargestellt. Das nächste Kapitel thematisiert die Rekonstruktion von Fahrzeuggrößen, die nur mit
aufwändiger Sensorik gemessen werden können. Beispiele hierfür sind Fahrzeuggeschwindigkeit,
-schwimmwinkel und -position. Ansätze zur Rekonstruktion dieser Größen aus den Signalen anderer
Sensoren werden vorgestellt und miteinander verglichen. Besonders herausgearbeitet ist die
Schätzung des Schwimmwinkels. Die ermittelten Größen werden u.a. für die Rückführungen der
Querführungsregler benötigt.
Schwerpunkt der Arbeit ist der Entwurf von Regelungen zur Fahrzeugquerführung, um
Ausweichmanöver im fahrphysikalisch letztmöglichen Moment mit hohen Querbeschleunigungen
durchführen zu können. In zahlreichen Situationen kann durch Lenkeingriffe eine Kollision erfolgreich
vermieden werden, wenn die Distanz zum Hindernis für ein Notbremsmanöver bereits zu gering ist. Im
verwendeten Versuchsfahrzeug mit elektrohydraulischer Bremsanlage und Überlagerungslenkung
konnten sowohl Brems- als auch Lenkeingriffe vorgenommen werden. Auf dieser Grundlage konnten
Regelungsstrategien für die Querführung eines Pkw ohne und in Kombination mit einem Bremseingriff
entwickelt, erprobt und unterschiedliche Ansätze miteinander verglichen werden.
Eine Besonderheit im Vergleich zu vollautonom fahrenden Fahrzeugen ist, dass der Fahrer weiterhin
Bestandteil des Regelkreises ist und berücksichtigt werden muss. Er soll so lange wie möglich in der
Lage sein, eine Kollision selbst zu verhindern. Hieraus resultiert die Forderung, dass Eingriffe im
fahrdynamisch letztmöglichen Moment respektive im fahrphysikalischen Grenzbereich durchzuführen
sind. Aus den im Rahmen dieser Arbeit entwickelten bzw. untersuchten Ansätzen ohne Kombination
mit einem Bremseingriff werden fünf präsentiert und anhand der Ergebnisse von Simulationen und
Versuchsfahrten miteinander verglichen. Darüber hinaus werden Regelungsansätze für die
kombinierte Quer- und Längsregelung zur verzögerten Fahrzeugquerführung präsentiert und ebenfalls
miteinander verglichen.
Die Darstellbarkeit sämtlicher Regelungsansätze wurde in einem realen Versuchsfahrzeug
gezeigt. Die Funktion des Assistenzsystems wird anhand zweier Szenarien, die zur Erprobung des
Gesamtsystems verwendet wurden, vorgestellt. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und
einem Ausblick.
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