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Unterschiede physiologischer Indikatoren des Fahrerzustandes zwischen Real- und Simulatorfahrt

Arnd Rose

Zusammenfassung

Obwohl nur ein Achtel des täglichen Verkehrs auf Deutschlands Straßen nachts stattfindet, geschehen 50% der schweren Verkehrsunfälle zu dieser Zeit. Eine Befragung von an Unfällen beteiligten Kraftfahrern im Stadtgebiet ergab, dass bei 18,5% der Unfälle Müdigkeit eine der Hauptursachen war. Besonders gefährdet sind Bus- und Lkw-Fahrer, die häufig nachts für viele Stunden in gleichförmiger Umgebung unterwegs sind. Vor diesem Hintergrund nimmt es nicht Wunder, dass in den vergangenen Jahren starke Anstrengungen unternommen wurden, Müdigkeitswarnsysteme zur Unterstützung des Fahrers zu entwickeln. Die aktuelle Forschung befindet sich dabei allerdings in einem Dilemma: Müdigkeitsuntersuchungen mit Probanden die sich nur zum Zwecke der Ermüdung im Straßenverkehr aufhalten, sind auf Grund der mit dem Einschlafen am Steuer verbunden hohen Risiken ethisch nicht vertretbar. Deshalb wird eine Vielzahl der Untersuchungen zur Müdigkeitserkennung im Fahrsimulator durchgeführt. In einem zweiten Schritt wird dann versucht, die gewonnen Ergebnisse in ein reales Fahrzeug und eine reale Versuchsumgebung zu übertragen. Ungeklärt ist dabei naturgemäß die Frage der externen Validität.

Kern der Arbeit ist eine vergleichende Studie, die die physiologischen Reaktionen beim Fahren im realen Straßenverkehr mit den Reaktionen beim Fahren in einem Fahrsimulator unter dem Einfluss von Müdigkeit vergleicht. In einer Versuchsreihe in Kooperation mit einer Spedition im berliner Umland wurden Messgrößen erfasst, die in Zukunft auch als Basis für Müdigkeitswarnsysteme dienen sollen. Die Messdaten der LKW-Fahrer wurden über jeweils 5 Nachtschichten von 8-10 Stunden Dauer erfasst und ausgewertet. In einem zweiten Schritt wurden dieselben Messdaten der gleichen LKW Fahrer unter nahezu identischen Bedingungen in einem typischen Fahrsimulator (unbewegtes Fahrzeug, komplette Karosserie, 180 Videoprojektion, stochastische Verkehrsinteraktion) über 2 Nachtschichten erhoben und ausgewertet.

Zu den Messwerten zählen: Puls, Herzraten Variabilität, Atemfrequenz, objektive Müdigkeitsskala, Augenlidbewegungen, PERCLOS 70/80, Kopfbewegungen, Blickverhalten und Müdigkeitseinschätzung durch die Fahrer selbst.

In der Arbeit werden die Ergebnisse beider Untersuchungen dargestellt und verglichen. Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob die physiologischen Reaktionen beim Fahren in einem Fahrsimulator mit den physiologischen Reaktionen beim Fahren im realen Straßenverkehr vergleichbar sind und ob es Ziel führend ist, Müdigkeitsuntersuchungen im Fahrsimulator durchzuführen, wenn dann die Ergebnisse im realen Verkehr Anwendung finden sollen.

Damit stellt die Arbeit ein Novum in der Müdigkeitsforschung dar. Es konnten wissenschaftliche Erkenntnisse über Sekundenschlaf im alltäglichen Berufsverkehr und unter Nichtversuchsbedingungen gewonnen werden. So ist sie eine Veröffentlichung von wenigen Weltweit, die in diesem Forschungsgebiet Einflüsse der Versuchsumgebung auf das autonome Nervensystem und damit auf die physiologischen Reaktionen von Personen systematisch erfasst und auswertet.

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