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Dr. Haris Hamedovic
Ruhr-Universität Bochum / Robert Bosch GmbH, Schwieberdingen
Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Johann F. Böhme
Zusammenfassung der Dissertation
Durch stetige Verschärfung der Emissionsgesetzgebung, Treibhauseffekt und abnehmende
Energiesicherheit werden immer größere Anforderungen an Verbrennungsmotoren gestellt. Um
diesen gerecht zu werden, stellen moderne Systeme für Otto- und Dieselmotoren eine wachsende
Zahl an Freiheitsgraden bei der zylinderindividuellen Ansteuerung des Kraftstoff- und Luftpfads wie
z.B. flexible Kraftstoffeinspritzsysteme (Common-Rail, Benzin-Direkteinspritzung) und variable
Ventilsteuerung zur Verfügung. Damit das dadurch verfügbare Potential vollständig genutzt werden
kann, zeichnet es sich gegenwärtig ab, dass neue Sensorinformationen über den
Verbrennungsprozess in das Motormanagement integriert werden müssen.
Mittels einer zylinderindividuellen Regelung der Verbrennungsparameter lässt sich der
Verbrennungsablauf entscheidend verbessern. Hierzu werden zylinderindividuelle Rückmeldungen
benötigt. In diesem Zusammenhang gilt der Brennraumdruck allgemein als eine zentrale Größe zur
Beschreibung innermotorischer Vorgänge. Im Hinblick auf den Einsatz in Serienfahrzeugen stellen die
Kosten für die zusätzliche Sensorik ein wesentliches Kriterium bei der Einführung dieser Technologie
dar.
Der innovative Ansatz der Arbeit liegt darin, bei einem mehrzylindrigen Motor durch Verwendung von
nur einem Brennraumdrucksensor und dem verfügbaren Drehzahlsignal die gewünschten
verbrennungsrelevanten Größen aller Zylinder zur Verfügung zu stellen. Schwankungen des
Drehzahlsignals beinhalten Informationen über den Ablauf der Verbrennungen aller Zylinder. Durch
eine kombinierte modellbasierte Verarbeitung dieser Schwankungen und des Drucksignals eines
Zylinders werden verbrennungsrelevante Merkmale der nicht indizierten Zylinder gewonnen. Dadurch
wird eine serientaugliche kosteneffektive zylinderindividuelle Regelung unter Verwendung von
lediglich einem zusätzlichen Sensor ermöglicht. Im Fokus der Untersuchungen stehen
Verbrennungslage und indizierter Mitteldruck, die maßgeblich den Kraftstoffverbrauch und die
Emissionen bestimmen. Des Weiteren werden neue Möglichkeiten für Diagnose, wie z.B.
Aussetzererkennung, sowie Reduktion des Applikationsaufwands aufgezeigt.
Im Hinblick auf die industrielle Anwendbarkeit wurde der Rechenaufwand des Verfahrens optimiert, so
dass die zentralen Algorithmen in bestehende Steuergeräte implementiert werden können. Für die
Drehzahlerfassung wurden ausschließlich Seriensensoren verwendet. Das Verfahren wurde anhand
umfassender Messungen an einem 4-Zylinder-Serienfahrzeug validiert.
Eine zylinderindividuelle Verbrennungsregelung stellt aus wissenschaftlicher Sicht einen für das
Motormanagement bedeutenden Technologiesprung dar. Insbesondere im Zusammenhang mit den
gegenwärtig sehr intensiv erforschten homogenen Brennverfahren, wie HCCI und CAI, die großes
Potential zur Reduktion der Abgase und des Kraftstoffverbrauchs aufweisen, ist eine
Verbrennungsregelung von essentieller Bedeutung. Der in der Arbeit entwickelte Ansatz kann eine
wichtige Schlüsselrolle bei der Einführung dieser innovativen Technologie bei vertretbaren Kosten
darstellen.
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