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Dr. Jürgen Friedrich
Zusammenfassung
Mit der starken Verbreitung des turboaufgeladenen Dieselmotors seit etwa 10 Jahren gewinnt auch der mittels Abgasturbolader
aufgeladene Ottomotor mehr an Bedeutung. Im dynamischen Betriebsverhalten zeigen diese Motoren trotz deutlicher Verbesserungen,
vor allem bei Drehzahlen unter 2000 U/min, prinzipbedingt einen verzögerten Mitteldruckaufbau.
Mit konventionellen Ansätzen (variable Turbine, Scavening oder Impulsaufladung) ist dieses Problem nicht zufrieden stellend
zu lösen, deshalb wurden teilweise völlig neue Ansätze zur Unterstützung im dynamischen Betrieb erstellt und
im Rahmen dieser Arbeit mithilfe von Simulation und Prüfstandsmessungen erstmals an einem Motor gegenübergestellt.
Entgegen bisherigen Publikationen war das Ziel der Arbeit nicht nur die Dynamikverbesserung für sich, sondern es wurde
erstmals ein klares Ziel für die Verbesserungen formuliert: Erreichen des Volllastmitteldruckes in einer Zeit
kleiner einer Sekunde über das gesamte Drehzahlband.
Die untersuchten Ansätze greifen zum Einen in das Gebiet der gezielten Einspeisung von dauerhaft verfügbarer
nichtmotorischer Zusatzenergie und zum Anderen zur Verteilung der Verdichtungsarbeit auf zwei Aufladestufen. Im Falle der
Einspeisung von Zusatzenergie muss diese beliebig oft und in kurzen Abständen verfügbar sein.
Im Kapitel Einspeisung von Zusatzenergie wurden die Konzepte elektrische unterstützter ATL sowie elektrischer
Zusatzverdichter miteinander verglichen. Die Berechnungen zu diesen Varianten haben ergeben, dass die zu erwartende Begrenzung
der verfügbaren elektrischen Bordnetzleistung diese Systeme vorrangig für den Einsatz von Motoren mit einem Hubraum
kleiner 2.0 l prädestinieren.
Eine weitere Variante sieht die serielle Anordnung eines mechanisch angetriebenen Zusatzverdichters vor. Für die Umsetzung
als zuschaltbares System reduziert sich die AuswahlA auf einen mit geringem Massenträgheitsmoment gekennzeichneten
Spirallader. Als dritte Variante wurde eine geregelte zweistufige Aufladung aufgegriffen.
Die Ergebnisse der Simulationsrechnungen sowie der Prüfstandsuntersuchungen weisen für alle drei Varianten das Potential
zur Umsetzung der formulierten Forderung zur Dynamikverbesserung nach. Gleichwohl verfügt das Konzept mechanischer
Lader-Turbolader eindeutig über das größte Potential zur Dynamikverbesserung. Bei einer Motordrehzahl von
beispielsweise 2000 U/min erreichten der Pscroll nach 580 ms und die beiden anderen Varianten nach jeweils 950 ms das Zielmoment.
Für die elektrische Unterstützung wirkt sich die notwendige Leitungsbeschränkung auf 2.5 kW negativ aus. Die
zweistufige Aufladung zeigt eine Charakteristik, die sie eher für größere Hubräume (>= 1.8l) prädestiniert.
Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass aufgrund der Massenstromfördercharakteristik der Pscroll unabhängig von Hubraum
oder Leistungsbegrenzungen immer das größte Potential aufweist. Im Gegensatz zu den anderen Varianten greift er zudem
auf bekannte ausgereifte Technik zurück.
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