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Dipl.-Ing. Sebastian Ohl
Technische Universität Braunschweig
Betreuer: Prof. Dr. T. Form
Zusamenfassung der Diplomarbeit
Autonomes Fahren im urbanen Bereich stellt große Anforderungen an die beteiligten
Systemkomponenten, insbesondere an die künstliche Wahrnehmung. Im Rahmen dieser Diplomarbeit
wurde ein System zur Datenfusion verschiedenster Umfeldsensoren entwickelt, das diesen hohen
Anforderungen gerecht wird. Das System wird praktisch eingesetzt im Zuge des Engagements der TUBraunschweig
an der DARPA Urban Challenge, die sich thematisch der Realisierung automatischer Fahrt
in hochkomplexen innerstädtischen Umgebungen widmet.
Ein Sensornetzwerk, bestehend aus LIDAR, Radar und Laserscannern wurde auf dem als Versuchsträger
dienenden VW 2006 Passat installiert. Die Sensorpositionen sind so gewählt, dass eine 360°
Rundumsicht um das Fahrzeug realisiert wird, mit hoher Redundanz im vorderen und hinteren
Fahrzeugbereich. Diese Redundanz wird effizient ausgenutzt, um Falschdetektionen und Messfehler im
Rahmen einer Pretracking-Plausibilisierungsstufe zu eliminieren.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Umfelderfassungssystemen, die eher auf außerstädtische Umgebungen,
z.B. zur Realisierung der Adaptive Cruise Control Funktionalität abzielen und eine meist punktförmige
Repräsentation der Ziele voraussetzen, wurden in diesem Ansatz die für das Tracking verwendeten
Extended Kalman Filter erweitert, um beliebige Konturen verfolgen zu können. Damit ist es dem System
möglich, auch komplexe Zielstrukturen wie Wände, Randbebauung etc. zuverlässig zu verfolgen. Eine auf
die Multi-Kontur-Fähigkeit abgestimmte, zweistufige Datenassoziation ermöglicht es, die stark
unterschiedlichen Eingangsdaten der verwendeten Sensorsysteme dem gemeinsamen Tracking-
Algorithmus zuzuführen. Dadurch stellt der hier entwickelte Ansatz einen deutlichen Mehrwert gegenüber
herkömmlichen Tracking-Systemen dar und ermöglicht es dem Fahrzeug, sich in einem urbanen Umfeld
mit höchster Genauigkeit bewegen.
Ein weiterer Schwerpunkt bei der Entwicklung dieses Systems ist das Softwaredesign. Hierbei wurden
modernste Werkzeuge wie z.B. Extreme Programming und Model-Driven-Development eingesetzt, um die
Qualität und Leistungsfähigkeit der Fusion zu optimieren. Das Softwaredesign stellt durch die strikte
Trennung von Datenkanälen und Verarbeitungsstufen eine größtmögliche Flexibilität zur Verfügung. Auf
diese Weise ist es möglich, weitere Sensortypen durch Vorverarbeitungsstufen mit wenig Aufwand an die
interne Datenrepräsentation anzupassen, ohne die anderen Verarbeitungsstufen zu verändern. Um den
hohen Durchsatz von Sensorobjekten verarbeiten zu können ist ein intelligentes Speicherkonzept der
verfolgten Objekte nötig. Zu diesem Zweck wurde eine objektorientierte Datenbank entwickelt, die den
Zugriff von allen Stufen der Software optimal unterstützt.
Das hier entwickelte Tracking-System stellt einen real funktionierenden Ansatz für die Fahrzeug-
Umfelderkennung der nächsten Generation dar. Durch die dem Designansatz zugrunde liegende
modulare Struktur lassen sich Weiterentwicklungen und die Integration zusätzlicher Sensortypen leicht
durchführen.
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